25 Claude Use Cases für kleine und mittelständische Unternehmen
25 konkrete Claude Use Cases für KMU: Geschäftsführung, Vertrieb, Marketing, Kundenservice, HR, Backoffice, Wissen und Automatisierung. Mit Beispiel-Prompts.
Die Frage “Wofür können wir Claude eigentlich nutzen?” ist die häufigste, die mir Geschäftsführer stellen. Die Antwort “für fast alles mit Text” ist richtig, aber nutzlos. Was fehlt, sind konkrete Anwendungsfälle, die zum Alltag eines Unternehmens mit 10, 50 oder 200 Mitarbeitenden passen.
Dieser Artikel listet 25 Use Cases, gegliedert nach Unternehmensbereichen. Für jeden Use Case finden Sie eine kurze Beschreibung, ein Beispiel, eine Einschätzung des Aufwands und dort, wo es nötig ist, einen Hinweis auf Grenzen. Bei mehreren Use Cases ist ein Beispiel-Prompt enthalten, den Sie direkt ausprobieren können.
Die Aufwandsangabe bedeutet: niedrig heißt sofort im Chat nutzbar, mittel heißt ein Project oder eine Vorlage ist sinnvoll, hoch heißt es braucht eine Automatisierung oder Anbindung an andere Systeme. Alle Use Cases stammen aus der Praxis, teils aus meinen eigenen Unternehmen, teils aus Beratungsprojekten im Mittelstand.
Geschäftsführung und Strategie
In der Geschäftsführung geht es selten um Masse, sondern um Qualität der Entscheidungen. Claude hilft hier vor allem beim Strukturieren, Hinterfragen und Verdichten von Informationen, die ohnehin vorliegen, aber niemand in Ruhe aufbereitet.
1. Entscheidungsvorlagen aus Rohnotizen erstellen
Was: Aus stichpunktartigen Notizen, E-Mails und Zahlen eine strukturierte Entscheidungsvorlage machen, mit Ausgangslage, Optionen, Bewertung und Empfehlung.
Beispiel: Ein Geschäftsführer eines Maschinenbauunternehmens hat drei Angebote für ein neues ERP-System und Notizen aus Gesprächen mit der IT. Claude erstellt daraus eine zweiseitige Vorlage für den Beirat.
Aufwand: niedrig. Grenze: Claude bewertet nur, was Sie ihm geben. Fehlende Informationen ersetzt es nicht durch Wissen über Ihr Unternehmen. Bewährt hat sich, die Vorlage anschließend mit der Frage “Welche Annahmen hast du getroffen?” zu prüfen, damit unausgesprochene Lücken sichtbar werden.
2. Sparringspartner für Strategiefragen
Was: Eine Idee, einen Plan oder eine Annahme gezielt hinterfragen lassen. Claude übernimmt die Rolle des kritischen Beraters, der Schwachstellen benennt.
Beispiel: “Wir wollen unser Angebot um einen Wartungsvertrag erweitern.” Claude fragt nach Kapazität, Preismodell, Haftung, Kannibalisierung des Bestandsgeschäfts und bringt Aspekte auf, die im Alltag untergehen.
Du bist ein erfahrener Unternehmensberater mit Schwerpunkt Mittelstand.
Ich bin Geschäftsführer eines Sanitärbetriebs mit 35 Mitarbeitenden.
Wir überlegen, Wartungsverträge für Heizungsanlagen einzuführen.
Stelle mir die 10 kritischsten Fragen, die ich vor der Entscheidung
beantworten sollte. Ordne sie nach Wichtigkeit. Keine allgemeinen
Ratschläge, nur konkrete Fragen mit einem Satz Begründung.
Aufwand: niedrig. Der Nutzen steigt, wenn Sie in der Antwort weiterarbeiten: einzelne Fragen beantworten und Claude bitten, die Bewertung anzupassen. So entsteht in einer halben Stunde eine strukturierte Grundlage für die Diskussion mit dem Team.
3. Berichte und Kennzahlen kommentieren
Was: Aus einer Tabelle mit Monatszahlen einen verständlichen Kommentar für Gesellschafter, Bank oder Team erstellen.
Beispiel: Umsatz, Auftragseingang und Kosten der letzten zwölf Monate als Tabelle einfügen, Claude schreibt einen einseitigen Bericht mit Auffälligkeiten und offenen Fragen.
Aufwand: niedrig. Grenze: Prüfen Sie jede Zahl im Ergebnis. Claude rechnet meistens richtig, aber nicht immer.
4. Langfristige Dokumente verstehen und vergleichen
Was: Verträge, Gesellschafterbeschlüsse, Förderrichtlinien oder Ausschreibungen hochladen und gezielte Fragen stellen.
Beispiel: Eine 80-seitige Förderrichtlinie hochladen und fragen, welche Voraussetzungen das eigene Unternehmen erfüllt und welche Fristen gelten.
Aufwand: niedrig. Grenze: Claude ersetzt keine rechtliche Prüfung. Es hilft beim Verstehen, die Verantwortung bleibt bei Ihnen und Ihren Beratern.
Vertrieb
Im Vertrieb entscheidet die Geschwindigkeit zwischen Gespräch und Angebot oft über den Auftrag. Die folgenden Use Cases verkürzen diese Strecke und nehmen dem Vertrieb die Schreibarbeit ab, ohne ihm das Gespräch abzunehmen.
5. Angebote aus Stichpunkten formulieren
Was: Aus Notizen eines Kundengesprächs ein vollständiges Angebot mit Einleitung, Leistungsbeschreibung, Nutzenargumentation und Abschluss erstellen.
Beispiel: Ein Vertriebsmitarbeiter eines IT-Dienstleisters tippt nach dem Termin fünf Stichpunkte ein. Mit einem Project, das Musterangebote und Preisliste enthält, entsteht ein fertiger Entwurf in Unternehmenssprache.
Aufwand: mittel, weil ein Claude Project mit Vorlagen den Unterschied macht.
6. Ausschreibungen analysieren und Anforderungen extrahieren
Was: Aus einer Ausschreibung alle Anforderungen, Fristen, Nachweise und Ausschlusskriterien als Checkliste extrahieren.
Beispiel: Ein Facility-Dienstleister erhält eine 120-seitige Ausschreibung. Claude erstellt eine Tabelle mit allen Muss- und Kann-Kriterien und markiert, wo Nachweise gefordert sind.
Im Anhang findest du eine Ausschreibung. Erstelle eine Tabelle mit
folgenden Spalten: Anforderung, Fundstelle (Seite/Abschnitt),
Muss oder Kann, geforderter Nachweis, Frist.
Nimm nur Anforderungen auf, die wörtlich im Dokument stehen.
Wenn etwas unklar ist, markiere es mit "PRÜFEN" statt zu raten.
Aufwand: niedrig. Grenze: Bei sehr langen Dokumenten das Ergebnis stichprobenartig gegen das Original prüfen.
7. Einwände vorbereiten und Gesprächsleitfäden erstellen
Was: Typische Kundeneinwände sammeln und passende Antworten formulieren, oder einen Leitfaden für Erstgespräche entwickeln.
Beispiel: Ein Softwareunternehmen lässt Claude auf Basis der Produktbeschreibung die zehn wahrscheinlichsten Einwände und Antworten formulieren, die das Team dann verfeinert.
Aufwand: niedrig. Der Leitfaden ersetzt nicht die Erfahrung des Vertriebs, aber er sorgt dafür, dass neue Mitarbeitende schneller sicher im Gespräch werden und dass Antworten auf Standardeinwände im Team einheitlich sind.
8. Nachfass-E-Mails und Follow-ups
Was: Nach Terminen, Messen oder Angeboten passende Nachfass-Mails schreiben, abgestimmt auf den jeweiligen Gesprächsstand.
Beispiel: “Angebot vor 10 Tagen gesendet, keine Antwort, Kunde hatte Interesse an Modul B signalisiert.” Claude formuliert eine kurze, nicht aufdringliche Nachricht.
Aufwand: niedrig. Wer die Nachfass-Mails aus dem CRM heraus automatisieren möchte, kombiniert diesen Use Case später mit Nummer 25.
Marketing
Im Marketing kleiner Unternehmen fehlt meist nicht die Idee, sondern die Zeit für die Umsetzung. Claude übernimmt hier Entwürfe und Varianten, die Mitarbeitende dann mit eigenem Wissen über Kunden und Markt verfeinern.
9. Webseitentexte und Landingpages
Was: Texte für Leistungsseiten, Über-uns-Seiten oder Landingpages entwerfen, überarbeiten oder kürzen.
Beispiel: Ein Steuerbüro lässt aus einer Stichpunktliste seiner Leistungen einen Entwurf für die Leistungsseite erstellen, mit Fokus auf die Fragen, die Mandanten wirklich stellen.
Aufwand: mittel, mit einem Project für Tonalität und Zielgruppe deutlich besser.
10. Newsletter und Social-Media-Beiträge
Was: Aus einem Thema oder einem bestehenden Text Beiträge für LinkedIn, Newsletter oder andere Kanäle ableiten, jeweils im passenden Format.
Beispiel: Ein Fachartikel wird zu drei LinkedIn-Beiträgen, einem Newsletter-Teaser und einer Kurzfassung für die Website.
Aufwand: niedrig. Grenze: Ohne Anweisungen zur Tonalität klingen die Ergebnisse austauschbar. Ein Unternehmensstil-Project löst das.
11. Texte in Unternehmenssprache überarbeiten
Was: Bestehende Texte an Stilrichtlinien anpassen: Sie-Form, Begriffe, Länge, Verständlichkeit.
Beispiel: Eine Produktbeschreibung aus der Technik wird für Endkunden verständlich, ohne sachlich falsch zu werden.
Aufwand: niedrig. Ein praktischer Zusatz: Lassen Sie Claude am Ende auflisten, was es geändert hat. So lernt das Team, welche Formulierungen im Unternehmen nicht mehr verwendet werden sollen.
12. Zielgruppen und Personas durchdenken
Was: Anhand von Kundenbeschreibungen Personas entwickeln, Bedürfnisse und Einwände strukturieren, Ideen für Inhalte ableiten.
Beispiel: Ein Hersteller von Bürostühlen beschreibt drei Kundengruppen, Claude arbeitet Unterschiede in Kaufmotiven, Informationsbedarf und Kanälen heraus.
Aufwand: niedrig. Grenze: Claude kennt Ihre Kunden nicht. Die Qualität hängt davon ab, wie viel echte Beobachtung Sie einbringen.
Kundenservice
Der Kundenservice ist der Bereich, in dem ich Claude am längsten und intensivsten im Einsatz sehe. Die Aufgaben sind wiederkehrend, das Wissen ist dokumentierbar und die Zeitersparnis pro Vorgang summiert sich über den Tag deutlich.
13. Antwortentwürfe für Kundenanfragen
Was: Für eingehende E-Mails oder Tickets einen Antwortentwurf erstellen, den ein Mitarbeitender prüft und versendet.
Beispiel: In meinem Unternehmen hey contact heroes ist das der Use Case mit dem größten Effekt: Ein Project mit Wissensdokumenten, Tonalitätsregeln und Beispielantworten liefert Entwürfe, die Mitarbeitende nur noch anpassen.
Du bist Kundenservice-Mitarbeiter eines Online-Shops für Gartenbedarf.
Antworte freundlich, in Sie-Form, maximal 120 Wörter. Keine Floskeln,
keine Entschuldigungsketten. Nenne konkret den nächsten Schritt.
Kundenanfrage:
"Meine Bestellung 48213 sollte am Montag kommen, ist aber nicht da.
Die Sendungsverfolgung zeigt seit drei Tagen keine Bewegung."
Kontext: Wir können bei DHL eine Nachforschung starten, Dauer 5 bis 7
Werktage. Alternativ Ersatzlieferung sofort, wenn Ware verfügbar.
Aufwand: mittel für das Project, hoch bei Automatisierung der Vorsortierung. Grenze: Entwürfe immer prüfen, nie ungeprüft versenden.
14. Anfragen kategorisieren und priorisieren
Was: Eingehende Nachrichten nach Thema, Dringlichkeit und Stimmung einordnen, um sie richtig zu verteilen.
Beispiel: Ein Energieversorger lässt E-Mails automatisch in Kategorien wie Rechnung, Umzug, Störung, Kündigung einteilen und mit einer Dringlichkeitsstufe versehen.
Aufwand: hoch, weil es sich erst mit einer KI-Automatisierung über die API lohnt.
15. FAQ und Wissensartikel erstellen
Was: Aus gelösten Tickets, Chatverläufen oder internen Notizen verständliche FAQ-Einträge und Anleitungen erstellen.
Beispiel: Ein Softwareanbieter lässt aus 50 Support-Tickets zum selben Thema einen Hilfeartikel schreiben, der die Frage künftig vorab beantwortet.
Aufwand: niedrig bis mittel. Die entstehenden Artikel sind zugleich Wissensdokumente für Use Case 13, sodass sich beide gegenseitig verbessern.
16. Beschwerden analysieren und Muster erkennen
Was: Eine Sammlung von Beschwerden oder Bewertungen auf wiederkehrende Ursachen untersuchen und zusammenfassen.
Beispiel: 200 Bewertungen eines Onlineshops werden nach Themen gruppiert. Claude zeigt, dass ein großer Teil der Kritik die Verpackung betrifft, nicht das Produkt.
Aufwand: niedrig. Grenze: Bei sehr großen Mengen und bei personenbezogenen Daten vorher anonymisieren und die Datenschutzfrage klären.
Personal und HR
Im Personalbereich ist Claude ein guter Texter und Strukturierer, aber ein sensibler Bereich. Alles, was einzelne Personen betrifft, unterliegt Datenschutz und Mitbestimmung. Die folgenden Use Cases sind so gewählt, dass sie ohne Personendaten auskommen.
17. Stellenanzeigen schreiben
Was: Aus Anforderungsprofil und Unternehmensbeschreibung eine Stellenanzeige erstellen, die Menschen anspricht statt Bewerber abzuschrecken.
Beispiel: Ein Logistikunternehmen sucht Disponenten. Claude formuliert aus einer Stichpunktliste eine Anzeige mit klarem Aufgabenbild, ehrlichen Anforderungen und Gründen, warum die Stelle interessant ist.
Aufwand: mittel, ein Project mit Unternehmensbeschreibung und Beispielanzeigen zahlt sich schnell aus.
18. Onboarding-Unterlagen und Anleitungen
Was: Einarbeitungspläne, Checklisten und Erklärtexte für neue Mitarbeitende erstellen oder vereinheitlichen.
Beispiel: Aus verstreuten Notizen dreier Abteilungen entsteht ein einheitlicher Einarbeitungsplan für die ersten vier Wochen.
Aufwand: niedrig. Besonders hilfreich ist es, Claude die Unterlagen aus Sicht eines neuen Mitarbeitenden lesen zu lassen und fehlende Erklärungen benennen zu lassen. Was für Kollegen selbstverständlich ist, fehlt in Einarbeitungsplänen erfahrungsgemäß am häufigsten.
19. Mitarbeitergespräche vorbereiten
Was: Leitfäden für Feedback-, Entwicklungs- oder Zielgespräche erstellen, Formulierungen für schwierige Botschaften finden.
Beispiel: Eine Führungskraft bereitet ein Gespräch über wiederholte Verspätungen vor und lässt sich einen sachlichen, wertschätzenden Einstieg formulieren.
Aufwand: niedrig. Grenze: Keine Daten einzelner Mitarbeitender eingeben, ohne dass Datenschutz und Mitbestimmung geklärt sind. Das Gespräch selbst führt ein Mensch.
Verwaltung und Backoffice
Im Backoffice liegt oft der größte messbare Nutzen, weil dieselben Aufgaben täglich anfallen. Protokolle, Standardschreiben und das Übertragen von Informationen zwischen Formaten sind Aufgaben, die Claude zuverlässig und schnell erledigt.
20. Protokolle aus Notizen oder Transkripten
Was: Aus Stichpunkten, Sprachnotizen oder Transkripten ein strukturiertes Protokoll mit Ergebnissen, Aufgaben und Verantwortlichen erstellen.
Beispiel: Nach der Montagsrunde tippt die Assistenz zehn Stichpunkte ein und erhält ein Protokoll im festen Unternehmensformat.
Erstelle aus den folgenden Notizen ein Besprechungsprotokoll.
Format:
- Teilnehmende
- Besprochene Themen (je 2 bis 3 Sätze)
- Entscheidungen (Aufzählung)
- Aufgaben als Tabelle: Aufgabe, Verantwortlich, Frist
Erfinde nichts. Wenn Verantwortliche oder Fristen fehlen, schreibe
"offen". Sie-Form, sachlich.
Notizen:
[hier einfügen]
Aufwand: niedrig.
21. Standardschreiben und Vorlagen
Was: Mahnungen, Terminbestätigungen, Absagen, Auftragsbestätigungen und andere wiederkehrende Schreiben erstellen und als Vorlagen pflegen.
Beispiel: Ein Handwerksbetrieb erstellt einen Satz von zwölf Vorlagen für die häufigsten Schreiben, jeweils in freundlichem, klarem Ton.
Aufwand: niedrig. Legen Sie die fertigen Vorlagen als Wissensdokument in einem Project ab, dann kann jeder im Team sie mit einem Satz anpassen lassen, etwa “Mahnung Stufe 2 für Rechnung 4711 an Firma Muster, Zahlungsziel 14 Tage”.
22. Daten aus Text in Tabellen überführen
Was: Unstrukturierte Informationen aus E-Mails, PDFs oder Notizen in eine saubere Tabelle bringen.
Beispiel: Aus 30 E-Mails mit Anmeldungen zu einer Veranstaltung entsteht eine Teilnehmerliste mit Name, Firma, Anzahl Personen und Sonderwünschen.
Im Folgenden findest du mehrere E-Mails mit Anmeldungen zu unserem
Kundentag. Erstelle eine Tabelle mit den Spalten: Name, Firma,
Anzahl Personen, Sonderwünsche, E-Mail-Adresse.
Übernimm nur Angaben, die in den E-Mails stehen. Fehlende Angaben
als "k. A." eintragen. Am Ende: Gesamtzahl der Personen.
Aufwand: niedrig. Grenze: Personenbezogene Daten nur mit geklärter Datenschutzgrundlage und im Unternehmensaccount.
Projekte und Wissen
Wissen liegt in den meisten Unternehmen verstreut in Dokumenten, E-Mails und Köpfen. Claude kann es nicht ordnen, aber zugänglich machen, wenn die Dokumente einmal an einem Ort zusammengeführt sind.
23. Interne Wissensdatenbank mit Projects
Was: Handbücher, Prozessbeschreibungen und Regelwerke in einem Project hinterlegen, damit Mitarbeitende Fragen dazu stellen können.
Beispiel: Ein Unternehmen mit 60 Mitarbeitenden legt ein Project “Interne Regelungen” mit Reisekostenrichtlinie, Urlaubsregelung und IT-Richtlinie an. Statt die Personalabteilung zu fragen, stellt das Team Fragen an das Project.
Aufwand: mittel. Grenze: Projects eignen sich für überschaubare Dokumentmengen. Bei sehr großen Wissensbeständen ist Retrieval Augmented Generation der bessere Weg. Mehr dazu im Artikel Claude Projects im Unternehmen.
24. Projektpläne und Statusberichte
Was: Aus Zielen und Rahmenbedingungen einen Projektplan mit Phasen, Meilensteinen und Risiken erstellen, oder aus Statusnotizen einen Bericht für Auftraggeber.
Beispiel: Ein Agenturteam lässt aus dem wöchentlichen Stand-up einen Kundenbericht erstellen, der Fortschritt, offene Punkte und nächste Schritte zusammenfasst.
Aufwand: niedrig. Für wiederkehrende Berichte im selben Format lohnt sich ein Project mit der Berichtsvorlage und einem Beispiel aus einem früheren Projekt.
Automatisierung
Die bisherigen Use Cases laufen im Chat. Sobald eine Aufgabe täglich mehrfach identisch vorkommt, lohnt sich der Schritt zur Automatisierung. Das ist der Bereich mit dem größten Nutzen und dem höchsten Aufwand.
25. Wiederkehrende Aufgaben per Workflow automatisieren
Was: Aufgaben, die täglich mehrfach im Chat erledigt werden, mit Werkzeugen wie n8n und der Claude-API ohne manuelle Eingabe ausführen lassen.
Beispiel: Eingehende Bewerbungen werden automatisch zusammengefasst, mit dem Anforderungsprofil abgeglichen und mit einer Einschätzung an die Personalabteilung weitergeleitet. Oder: Jede neue Kundenbewertung wird analysiert, kategorisiert und bei Kritik direkt an das Team gemeldet.
Aufwand: hoch, weil Einrichtung, Test und Freigabeprozess nötig sind. Grenze: Automatisierte Entscheidungen über Menschen, etwa im Bewerbungsprozess, unterliegen besonderen rechtlichen Anforderungen. Halten Sie den Menschen in der Entscheidung und prüfen Sie den EU AI Act. Wie der Einstieg in Automatisierungen aussieht, beschreibt der Beitrag Claude und n8n sowie die Seite Claude Automatisierung.
Welche Use Cases zuerst und was für alle gilt
25 Anwendungsfälle sind eine Auswahl, nicht ein Programm. Kein Unternehmen braucht alle, und kein Unternehmen sollte versuchen, alle gleichzeitig einzuführen. Die Erfahrung zeigt: Wer mit wenigen, gut gewählten Aufgaben beginnt und diese sauber im Team verankert, kommt schneller voran als wer eine lange Liste verteilt. Beginnen Sie mit drei bis fünf, die im Alltag am häufigsten vorkommen und deren Ergebnis leicht zu prüfen ist. Bewährt haben sich als Einstieg Protokolle, Antwortentwürfe, Angebote und Textüberarbeitung. Sie sind sofort nutzbar, sparen spürbar Zeit und schaffen Vertrauen im Team.
Für die Priorisierung hilft eine einfache Tabelle:
| Use Case | Häufigkeit pro Woche | Zeitaufwand heute | Sensible Daten | Ergebnis prüfbar |
|---|---|---|---|---|
| Protokolle | 5 | 30 Min. | nein | ja |
| Antwortentwürfe | 50 | 10 Min. | teilweise | ja |
| Angebote | 3 | 90 Min. | nein | ja |
| Stellenanzeigen | 0,5 | 120 Min. | nein | ja |
Hohe Häufigkeit, hoher Zeitaufwand, keine sensiblen Daten und prüfbare Ergebnisse ergeben den besten Einstieg. Wie Sie danach systematisch vorgehen, steht im Artikel Claude im Unternehmen einsetzen. Bei der Auswahl und Umsetzung unterstütze ich im Rahmen der Claude Beratung.
Was alle Use Cases gemeinsam haben
Drei Regeln gelten für jeden dieser Anwendungsfälle. Erstens: Claude erhält Kontext. Je mehr es über Ihr Unternehmen, Ihre Kunden und Ihre Tonalität weiß, desto besser das Ergebnis. Projects sind dafür das wichtigste Werkzeug. Zweitens: Ein Mensch prüft das Ergebnis. Halluzinationen sind seltener geworden, aber nicht verschwunden, und bei Zahlen, Namen und rechtlichen Aussagen ist besondere Sorgfalt nötig. Drittens: Sensible Daten nur im Unternehmensaccount und nur nach Klärung mit dem Datenschutzbeauftragten. Das ist keine Rechtsberatung, aber eine Praxisregel, die Ärger erspart.
Häufige Fragen
Welcher Claude Use Case ist für den Einstieg am besten geeignet?
Protokolle aus Notizen, Antwortentwürfe für Kundenanfragen und die Überarbeitung von Texten. Alle drei kommen häufig vor, sparen sofort Zeit, erfordern keine sensiblen Daten und lassen sich leicht prüfen. Sie schaffen schnell Vertrauen im Team.
Brauche ich für diese Use Cases Programmierkenntnisse?
Für 24 der 25 Use Cases nein. Sie funktionieren im Chat, teils mit einem Project. Nur die Automatisierung per Workflow erfordert technisches Verständnis oder Unterstützung, aber auch dort ist mit n8n keine klassische Softwareentwicklung nötig.
Wie viele Use Cases sollte ein Unternehmen gleichzeitig einführen?
Drei bis fünf im ersten Schritt. Mehr verwässert die Aufmerksamkeit und macht die Schulung unübersichtlich. Sobald diese sicher laufen, kommen weitere hinzu, in der Regel abteilungsweise.
Kann Claude Kundenanfragen vollautomatisch beantworten?
Technisch ja, empfehlenswert für die meisten KMU nicht. Bewährt hat sich der Entwurf durch Claude mit Freigabe durch einen Mitarbeitenden. Vollautomatische Antworten erfordern sehr gute Wissensdokumente, klare Eskalationsregeln und eine Kennzeichnung gegenüber Kunden.
Welche Use Cases sind datenschutzrechtlich heikel?
Alle, bei denen personenbezogene Daten verarbeitet werden, insbesondere von Mitarbeitenden und Bewerbern. Nutzen Sie nur den Unternehmensaccount mit Auftragsverarbeitungsvertrag, anonymisieren Sie wo möglich und klären Sie die Rechtsgrundlage mit Ihrem Datenschutzbeauftragten. Dies ist keine Rechtsberatung.